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Lange den Kopf nicht frei für eine neue Beziehung

Lange den Kopf nicht frei für eine neue Beziehung

Teil 1 der Interview-Serie “Schluss mit unglücklichem Langzeit-Single-Dasein”

Meine Interviewpartnerin Cornelia Ulrich ist 47 Jahre alt und war 7 Jahre lang alleinerziehender Single. Seit 8 Jahren lebt sie wieder in einer Beziehung.

Wie lange warst du Single, und was führte zum Ende der letzten Beziehung?

7 Jahre. Davor war ich 13 Jahre in einer Beziehung, davon 10 Jahre verheiratet. Während ich unser zweites Kind erwartete, hat mein Mann über das Internet eine andere Frau kennengelernt. Ich wurde völlig davon überrascht, weil er eigentlich nicht der Typ Mann war, der seine Frau betrügt.

Wie hast du dich anfangs als Single gefühlt?

Im ersten Augenblick hatte ich das Gefühl, mir würde der Boden unter den Füßen weggezogen, aber ich habe mich schnell gefangen und die Verantwortung für meine Kinder und mich übernommen. Ich habe eine bezahlbare Wohnung gefunden und bin aus dem gemeinsamen Haus ausgezogen, das mein Mann noch renoviert hatte, als er bereits die andere Frau kannte. Schon während unserer Beziehung war ich es gewohnt, die Stärkere zu sein und mehr Verantwortung zu tragen, vor allem als mein Mann noch studierte.

Ich hatte immer das Gefühl, dass ich es auch alleine schaffe, für die Kinder und mich zu sorgen. Ich war schon früh sehr selbstständig. Ich rebellierte gegen meine Mutter, von der ich mich bevormundet fühlte, und schloss mich einem älteren Freundeskreis an, der auf Abitur und Studium verzichtet hatte und schon selbstständig lebte. Das war Ansporn für mich, auch meine eigene Sache zu machen. Es war nicht immer der einfachere Weg, aber er führte mich in die Eigenverantwortung. Ich bin gut strukturiert und habe mir als Alleinerziehende immer gezielt dort Hilfe und Unterstützung gesucht, wo es nötig war.

Die erste Zeit als Single war bestimmt vom Kümmern um meine kleinen Kinder, Beruf und Haushalt. Später habe ich auch noch Betriebswirtschaft studiert. So war ich immer abgelenkt und habe kaum über einen neuen Partner nachgedacht. Ich habe allerdings bedauert, dass den Kindern der Vater fehlte. Die Trennung von meinem Mann habe ich in einer Therapie verarbeitet.

Und nachdem du längere Zeit Single warst?

Irgendwann habe ich mich in ein Singleportal für Alleinerziehende eingetragen. Ich wollte einfach mal wieder ausgehen und suchte erst einmal eher freundschaftlichen Kontakt. Es meldeten sich jedoch nur Männer, die sofort eine feste Beziehung wollten oder eine schnelle Affäre suchten.

Später ging ich lockerer an die Sache ran und meldete mich ohne große Erwartungen noch einmal dort an. Ich schrieb einfach in mein Profil, was ich mir vorstellte und wartete dann ganz entspannt ab, was daraus wird. Und diesmal meldeten sich solche Männer, wie ich mir vorgestellt hatte, nämlich solche, die zum unverbindlichen Ausgehen und freundschaftlichem Kontakt bereit waren. Als ich beim 1. Mal mein Profil erstellt hatte, hatte ich noch das Gefühl, mich selber von meiner besten Seite darstellen zu müssen, um mich besser zu “verkaufen”.

Wie hat dein Umfeld darauf reagiert, dass du Single bist?

Anfangs wurde ich dadurch gestärkt, dass großes Unverständnis darüber herrschte, wieso ein Mann seine schwangere Frau sitzen lässt.

Meine Eltern hatten Mitleid, und es war nicht einfach für sie, dass ich alleinerziehender Single war, aber ich konnte ihnen glaubhaft versichern, dass ich das auch alleine gut schaffe. Das beruhigte sie schließlich.

Mein Freundeskreis bestand nur aus Paaren bzw. Familien. Vor allem die Männer signalisierten mir Respekt und Anerkennung dafür, wie ich das alles alleine hinbekam.

Ein Familienvater aus meinem Freundeskreis übernahm jedoch manchmal ungefragt die Ersatzvaterrolle für meine Kinder, was ich häufig als grenzüberschreitend empfand. Da er aber für die Kinder zu einer wichtigen Bezugsperson wurde und mir die Freundschaft und die Unterstützung durch die Familie auch sehr wichtig war, wollte ich das nicht unterbinden. Das brachte mich in einen inneren Konflikt.

Durch meinen Freundeskreis lernte ich auch meinen jetzigen Mann kennen, zu dem sie den Kontakt förderten. Einige Zeit verband uns nur eine freundschaftliche Beziehung, obwohl er sich schon früher eine richtige Beziehung wünschte.

Wie ging es dir, kurz bevor du deine jetzige Beziehung eingegangen bist?

Obwohl ich keine Angst vor einer neuen Verletzung hatte, war ich lange im Kopf nicht frei für eine neue Beziehung. Mein Alltag war bestimmt von dem Gesamtpaket Kindererziehung – Beruf – Studium. Meine Bedingungen für einen möglichen Partner waren, dass er nicht verheiratet sein durfte und selber keine Kinder haben sollte, damit es nicht noch schwieriger würde.

Meinen jetzigen Mann kannte ich inzwischen schon etwas länger und wollte, wie gesagt, zunächst keine Beziehung. Nachdem die Kinder aus dem Gröbsten raus waren, mein Studium beendet und ich eine neue anspruchsvolle Stelle hatte, sah ich ihn plötzlich mit anderen Augen.

War es schwierig für dich, wieder eine Beziehung eingehen zu können?

Es fiel mir anfangs schwer, mich auch mal fallen zu lassen und nicht immer die Starke sein zu müssen. Die alten Probleme kamen noch mal hoch – das Gefühl, mich in Abhängigkeit zu begeben. Außerdem machte mein Ex-Mann uns auch plötzlich wieder Schwierigkeiten.

Wie bist du damit umgegangen?

In einer Familienaufstellung* zeigten sich noch unverarbeitete Gefühle aus der Trennung von meinem Ex-Mann. Dabei konnte ich die Wut zulassen, die noch in mir war und dann damit abschließen.

Eine andere Aufstellung machte mir klar, dass mein jetziger Mann unerschütterlich zu mir und den Kindern steht und bereit ist, alle Probleme mit uns durchzustehen. Das hat mein Vertrauen gestärkt.

Wenn du heute Single wärst, was würdest du dir von einer Beratung bzw. einem Coaching wünschen?

Unterstützung darin zu erhalten, eine eigene Strategie, einen eigenen Weg entwickeln zu können und nichts Vorgegebenes, kein Pauschalrezept angeboten zu bekommen.

Welchen Rat würdest du Frauen geben, die gerne wieder eine Beziehung eingehen würden?

Meine Erfahrung war, dass die Männer von alleine kamen, als ich relaxt sein konnte. Mein jetziger Mann sagt, dass er immer die innere Zufriedenheit bewundert hat, die ich ausgestrahlt habe.

Für mich war auch immer klar, dass ein Mann nicht dazu da sein kann, mich glücklich zu machen. Das kann nur ich selbst. Ich glaube, dass viele Frauen aber genau das denken, und das ist meiner Meinung nach zum Scheitern verurteilt.

Während meiner Singlezeit war ich einmal in einen Mann verliebt, der keine Beziehung mit mir wollte. Ich habe daraus gelernt: Blindes Verliebtsein ist nicht hilfreich. Man sollte realistisch bleiben, nicht zu viel erwarten und nicht in jedem Mann den möglichen Partner fürs Leben sehen. Wenn man etwas erzwingen will, klappt es sowieso nicht. Hilfreich empfinde ich, die eigene Situation mal von außen, aus etwas Distanz zu betrachten und offen für Entwicklung zu bleiben.

Mir hat die innere Gewissheit geholfen, dass “jeder Topf seinen Deckel findet” und der passende Partner zum richtigen Zeitpunkt kommt. Zum Glück wurde mir schon früh das Gefühl vermittelt, dass man nie so tief fällt, ohne wieder aufstehen zu können. Das hat mir Vertrauen in das Leben mitgegeben.

*Familienaufstellung: Webdefinitionen: “Familienaufstellung bezeichnet ein Verfahren, bei dem stellvertretende Personen für Familienmitglieder eines Klienten stehen und konstellativ angeordnet werden, um aus einer dazu in Beziehung gesetzten Wahrnehmungsposition gewisse Muster innerhalb jenes Familien-Systems erkennen zu können. …” http://de.wikipedia.org/wiki/Familienaufstellung

 

>> Infos zur Interview-Serie

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2 Kommentare zu Lange den Kopf nicht frei für eine neue Beziehung

  1. Dieser Satz gefällt mir: “Meine Erfahrung war, dass die Männer von alleine kamen, als ich relaxt sein konnte.” Mir ging es in 2006 auch so. Mein Traummann stand plötzlich vor mir in einer Zeit, wo ich vollkommen im Reinen mit mir war, einfach glücklich im Sein und nichts gesucht habe (außer vielleicht einem Glas Honig, aber das ist eine andere Geschichte).

    Vielleicht macht das Mut, hoffe ich.

    Viele Grüße von Sabine

    • Vielen Dank, liebe Sabine, für das Teilen Deiner Erfahrung und für´s Mut machen! 🙂

      Dahin zu kommen, mit sich selbst ganz im Reinen zu sein, ist nicht immer ein ganz einfacher Weg sein – aber er lohnt sich! Wie man sieht! 🙂

      Liebe Grüße, Karin

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